TSV Rintheim – TSV Rot-Malsch 28:25 (15:14)
Tabellarisch spielt es am Ende keine Rolle: Die B-Jugend des TSV Rot-Malsch hat bereits eine Woche zuvor die Badische Meisterschaft perfekt gemacht. Dass es am letzten Spieltag der Saison beim TSV Rintheim, dem Zweiten des Oberliga Baden, die erste und einzige Niederlage setzt, lässt sich also verschmerzen. Natürlich wollen die Jungs einer bärenstarken Spielzeit mit dem 18. Sieg im 18. Spiel noch die Krönung verpassen und ihre weiße Weste wahren, scheitern aber an einem heute besseren Gegner und eigenen Unzulänglichkeiten – so bleibt statt der Kirsche auf der Torte eben nur die Torte. Gefeiert wird dann trotzdem.


Das Spiel selbst erzählt eine Reihe reichlich skurriler Geschichten. Eine kleine Auswahl: Die Zeitnehmerin hat ähnlich wie einige der Gästespieler nicht ihren besten Tag erwischt, vergisst mehrfach, die Uhr anzuhalten und Tore korrekt zu notieren – schaut man sich den Live-Ticker zur Partie an, folgt aufs 6:6 das 5:8 und dann gleich das 7:7. Irgendetwas davon wird schon stimmen oder auch nicht. Eine heillose Konfusion, die reichlich Unruhe in die Rintheimer Sporthalle bringt und den Schiedsrichtern, die mehrfach zum Tisch eilen müssen, irgendwann zu viel wird. Sie entbinden die arme Frau von ihren Aufgaben, Ersatz ist nicht zulässig, die Rot-Malscher Sekretärin Rebecca bringt die letzten Minuten allein über die Bühne.


Nicht lustig ist auch die dreiste Schauspieleinlage des Rintheimers Torhüters, der seine bis dahin wirklich gute Leistung mit einer Schwalbe trübt, wie man sie nur aus dem Fußball kennt: Selbst wenn er vorher tatsächlich vom Ball im Gesicht getroffen worden sein sollte, ist die zeitliche Distanz bis zu dem Moment, in dem er sich entscheidet, wie ein Sack Kartoffeln auf den Boden zu plumpsen, einfach zu lang. Die Zwei-Minuten-Strafe ist für diese peinliche Nummer mehr als verdient. Zur guten Stimmung in der Halle trägt das natürlich nicht bei, da wird die gelbe Karte für den Gästetrainer wie der Gewinn der Meisterschaft bejubelt und auch sonst ist die Atmosphäre sehr hitzig – man könnte nicht meinen, dass es eigentlich um nichts mehr geht. Eine sehr schöne Geste dann aber nach dem Abpfiff: Rintheim gratuliert dem Meister fair und spendiert den Jungs aus Rot-Malsch eine Kiste Spezi. Toll!


Und das Spiel? Das sieht vom Anpfiff weg starke Rintheimer, während der Gast seinen Trumpf der Meistersaison, die konsequent Defensivarbeit, heute zuhause vergessen zu haben scheint. Das macht es Rintheim vergleichsweise leicht, seine Treffer zu erzielen. Trotzdem schafft der Meister mit dem 5:6 in der 13. Minute die erste eigene Führung und scheint das Spiel danach langsam in den Griff zu bekommen. Erst sind es zwei, dann mit dem 11:14 (23.) sogar drei Tore Vorsprung – eine starke Phase, die allerdings urplötzlich wie abgeschnitten endet.


Es folgt eine gute Viertelstunde, ehe Rot-Malsch wieder ein Tor aus dem Spiel heraus gelingt – einzige Ausnahme ist ein Siebenmeter. So geht Rintheim nicht nur mit einer 15:14-Führung in die Pause, sondern kann diesen Vorsprung anschließend auch auf 19:15 (35.) ausbauen. An einem anderen Tag wäre damit die Niederlage vielleicht noch nicht besiegelt gewesen, heute dagegen schon. Es fehlt ein echtes Aufbäumen, es bleibt bei den Fehlern, die sich durchs ganze Spiel ziehen: schlampige Abspiele, unsaubere Abschlüsse, Probleme beim Fangen des Balls und ganz allgemein viele falsche Entscheidungen. Auch deshalb gewinnt Rintheim am Ende verdient.


Das soll eine großartige Saison nicht schmälern, die Meisterschaft haben sich die Jungs und das Trainerteam mit ihren Leistungen mehr als nur verdient. Vielleicht ist diese finale Niederlage aber ein Warnschuss zur richtigen Zeit: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, die Quali steht schon wieder vor der Tür und jeder Einzelne darf sich in den kommenden vier Wochen nicht hängen lassen, sondern gerne eine Schippe (oder zwei) drauf legen. Vielleicht klappt es dann für die neue A-Jugend mit dem anvisierten nächsten großen Ziel.


Es spielten: Andre Paris, Matthis Bechtler (beide Tor), Vito Gärtner, Niklas Rittmüller (2), Fabian Götz, Thomas Valentin (5), Julius Gehring (5), Aaron Bohn, Jonas Fischer (2), Luis Förderer (3), Finnegan Rößler (7/3), Leart Xhylani, Per Tauer (1).
(Text & Fotos: Armin Rößler)