TSV Rot-Malsch – Jugendhandball-Akademie Neuhausen-Ostfildern 2 35:34 (17:18)
Der TSV siegt gegen JANO Filder am zweiten Spieltag der neuen Saison in der Regionalliga Baden-Württemberg in einem lange spannenden und extrem engen Spiel am Ende hauchdünn, aber verdient mit 35:34. Das sind sechzig Minuten Handball, nüchtern und korrekt zusammengefasst in einem Satz – allerdings höchst dramatische sechzig Minuten, deren Protagonisten sich dann doch das eine oder andere zusätzliche Wort verdient haben.
Das beginnt am Ende: Sieben Sekunden sind noch zu spielen, der TSV hat gerade das 34:34 kassiert, nimmt sich vorm letzten, alles entscheidenden Angriff eine Auszeit, sammelt sich, schwört sich noch mal ein. Torwart raus, siebter Feldspieler rein, alles auf eine Karte. Va banque! Das Risiko wird belohnt, der Mut zahlt sich aus. Kreisläufer Leander Hofacker wird freigespielt, behält die Nerven und zimmert die Kugel in den gegnerischen Kasten – praktisch mit der Schlusssirene. Die aufgestaute Anspannung bricht sich Bahn, das Publikum tobt, die Spieler finden sich wild hüpfend in einer Jubeltraube wieder. Erst danach ist Zeit für Shakehands mit den Gegnern, die sich für ihre Leistung gleichfalls ein Kompliment verdient haben: Zweimal scheinen sie an diesem späten Nachmittag schon geschlagen, zweimal kämpfen sie sich ins Spiel zurück und drohen jeweils, dieses zu drehen. Was kurz vor der Halbzeit sogar gelingt, am Ende zum Glück aber nicht.
Die Partie startet zäh, fehlerbehaftet und torarm auf beiden Seiten – nach fünf Minuten klagt ein mageres 1:1 von der Anzeigetafel. Langsam berappeln sich beide Teams und nehmen bis zum 5:5 (10.) leidlich synchron Fahrt auf. Dann bekommt der TSV die Oberhand, zieht auf 7:5 (11.) und 11:8 (17.) davon. Bis zum 13:9 (22.) läuft alles in die richtige Richtung.
Doch wer zu diesem Zeitpunkt auf einen entspannten Nachmittag hofft, sieht sich getäuscht. Schwinden dem TSV die Kräfte oder macht die Umstellung der Gäste auf eine offene Deckung plötzlich den Unterschied? Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus beiden Faktoren, denn Rot-Malsch zeigt sich in dieser Phase deutlich weniger treffsicher vor dem gegnerischen Tor und scheint ebenso wenig eine passende Antwort auf das wilde Treiben auf der Platte zu haben. Dazu gesellt sich, wie schon in der Vorwoche, eine frappierende Schwäche vom Siebenmeter-Punkt – heute landet nur einer von vier Versuchen im Netz. Es kommt, wie es kommen muss: Nach dem 13:13 (25.) geht der TSV zwar noch mal mit je zwei Toren in Front – 15:13 (26.) und 16:14 (28.) – muss dann aber dem Gast aus dem Landkreis Esslingen den Vortritt lassen. Erst mit dem 16:17 (29.), dann kurz vor der Pause mit dem 17:18 (30.).
Es ehrt das Team, dass es sich von dieser Schwächephase nicht umwerfen lässt, sondern schnell zurück in die Partie findet, diese erst ausgeglichen (bis zum 23:23, 40.), dann sogar wieder überlegen gestaltet. Das 24:23 (41.) ist die erste Führung seit einer kleinen Ewigkeit, nämlich fast einer Viertelstunde, und das gibt sichtlich Rückenwind. Der trägt das Team bis zum 30:27 (52.) einem vermeintlich sicheren Sieg entgegen. Doch dann erfolgt, analog zur ersten Hälfte, der zweite Bruch im Spiel.
Jetzt haben wieder die Gäste das Sagen, Rot-Malsch droht, seinen Vorsprung zu verspielen. Bis zum 33:32-Anschlusstreffer (58.) scheint sich der TSV zumindest einem knappen Sieg entgegenzuzittern. Die letzten achtundsiebzig Sekunden haben es dann aber mal so richtig in sich: Auszeit JANO (58:42), Tor für die Gäste zum 33:33 (59:08), neuerliche Führung für den TSV (59:25), das ernüchternde 34:34 (59:45) und schließlich das oben geschilderte glückliche Ende: Die Gäste kassieren eine Zeitstrafe (59:53), der TSV nimmt sich die letzte Auszeit (59:53) und bleibt bis zum Siegtreffer (60:00) ultracool. Und danach brechen – verdientermaßen – alle Dämme.
Der zweite Sieg im zweiten Spiel bedeutet in der offiziellen Tabelle des Baden-Württembergischen Handball-Verbands für den TSV einen geteilten ersten Platz mit der HSG Konstanz und HRR Meißenheim/Nonnenweier/Ottenheim, die allerdings, so viel Wahrheit muss sein, beide das bessere Torverhältnis haben. Aber auch Platz drei und vor allem die 4:0 Punkte lesen sich für die erste Regionalliga-Saison der A-Jugend nicht so schlecht … Kommende Woche geht es auf die erste Auswärtsreise zum Team Stuttgart (Sonntag, 11. Oktober, 14:45 Uhr, Flatow-Sporthalle, Stuttgart-Wangen).
Das Team: Andre Paris, Matthis Bechtler, Josiah Rosarius (alle Tor), Valentin Aykan (2), Tobias Rieg (4), Vito Gärtner (7), Julius Gehring (5/1), Niklas Rittmüller, Luis Förderer (6), Alfred Fellhauer (3), Finnegan Rößler (1), Leander Hofacker (6), Thomas Valentin (1).
(Text & Foto: Armin Rößler)
