mJA: Väter, die Nein schreien, Trainer, die Gelb sehen …

TSV Rot-Malsch – HGW Hofweier 41:18 (18:4)

Es läuft Minute 59 der Partie, der TSV hat den Ball erobert, startet einen schnellen Gegenstoß, der Spieler mit der Nummer 15 marschiert unaufhaltsam Richtung gegnerisches Tor und holt zum Wurf aus – „Nein“ schreit der Vater auf der Tribüne, gut hörbar für die gesamte Parkringhalle. Das Publikum reagiert mit amüsiertem Schmunzeln, als der junge Mann in für sein Alter erstaunlicher Gehorsamkeit dem väterlichen Wunsch entspricht und den Ball eben nicht mit Wucht in den Maschen versenkt, sondern die Chance vergibt …

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Ein Vater, der seinem Sohn das Tor nicht gönnt? Und das auch in dessen Abschiedsspiel aus der A-Jugend, für die er zum letzten Mal aufläuft und dafür später mit viel Applaus seiner Kameraden humorvoll verabschiedet wird? Undenkbar. Oder vielleicht doch – denn des Rätsels Lösung: Es wäre Tor Nummer 40 in diesem Spiel gewesen, zur Belohnung hätte der Schütze ein kleines Kabinenfest ausrichten „dürfen“. Dass er’s besser kann, beweist er wenig später, genau acht Sekunden vor Schluss, mit dem letzten Treffer des Spiels zum 41:18-Endstand. Ein standesgemäßer Abschied – bye, bye, Bengt. Und über das Kabinenfest reden wir vielleicht noch mal.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Dass die kleine Geschichte am Rande so viel Platz einnehmen darf, sagt viel übers sportliche Geschehen auf der Platte. Der TSV, der die Oberliga Baden-Württemberg weit über den eigenen Erwartungen mit einem hervorragenden vierten Platz und 24:12 Punkten abschließt, gewinnt sein finales Saisonspiel ebenso deutlich wie ohne jede Probleme. Der HGW Hofweier, Tabellenletzter, aber beim Unentschieden im Hinspiel noch mehr als ebenbürtig, ist dieses Mal chancenlos.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Zäh gestaltet sich nur der Beginn. Doch nach dem 4:3-Anschlusstreffer der Gäste (8.) übernimmt der TSV kompromisslos das Kommando spielt in über zwanzig (!) Minuten ohne einen einzigen Gegentreffer einen satten 16:3-Vorsprung heraus, geht mit 18:4 in die Pause. Warum? Weil die Defensive felsenfest steht, der Torwart, die wenigen Bälle, die zu ihm durchkommen pariert, und die Offensive zwar längst nicht alle, aber doch sehr viele Chancen verwertet. Eine reife Mannschaftsleistung, und das auch heute wieder mit einem durch zahlreiche Spieler aus der B-Jugend unterstützten Kader. Zum Vergleich: Aus dem Team, das im November in Niederschopfheim im Ortenaukreis in einer aberwitzigen Schlussphase noch immerhin den einen Zähler entführte, fehlen vier Akteure aus Verletzungsgründen.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

In der zweiten Hälfte lässt der TSV dem Gast ein wenig mehr Luft zum Atmen, dennoch brennt überhaupt nichts mehr an und es geht letztlich – ganz ohne Überheblichkeit – nur um die Höhe des Ergebnisses und Fragen wie die oben geschilderte nach dem Schützen des 40. Tors. Selbst die obligatorische gelbe Karte für den Coach ist da nur eine weitere Fußnote. Spötter sagen ohnehin: Sieht Lotsch kein Gelb, hat das Spiel nicht stattgefunden. Und weil heute alles schiedlich-friedlich abläuft, gibt es nicht mal eine Zeitstrafe.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Auch tabellarisch ist längst alles geklärt: Meister Leutershausen hat als einziges Team drei Punkte gegen Rot-Malsch holen können, den Titel also auch aus unserer Sicht verdient. Der Zweite, die SG Kappelwindeck/Steinbach, hat nur ein einziges Pünktchen Vorsprung auf den TSV, der Dritte, HRR Meißenheim/Nonnenweier/Ottenheim, hat bei Punktgleichheit den direkten Vergleich um ein einziges Törchen gewonnen – es geht eng zu, sehr eng, Platz vier ist aller Ehren wert, das Team hat am Anfang viel Lehrgeld bezahlt, sich dann stark in die Saison hineingefightet und seit November nur noch ein einziges Spiel verloren. Und das mit dem überwiegend jüngeren Jahrgang, sodass das Team fast komplett zusammenbleibt und sich zudem aus der bisherigen B-Jugend über reichlich Zuwachs freuen darf – nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ, wie jetzt schon mehrfach zu sehen war.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Das nächste Highlight steht dann auch gleich vor der Tür: Direkt nach den Osterferien geht es in die Regionalliga-Qualifikation, in der man sich letztes Jahr bereits sehr achtbar geschlagen hat. Dieses Mal ist vielleicht sogar noch ein bisschen mehr drin …

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Es spielten: Andre Paris, Oliver Oerther (beide Tor), Henrik Schwarz (2), Dominik Dillmann (1), Luis Förderer (2), Tobias Rieg (2), Julius Gehring (10), Vito Gärtner (8), Jonas Fischer (5), Leander Hofacker (4), Alfred Fellhauer (2), Finnegan Rößler (2), Bengt Tauer (3).

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

(Text & Fotos: Armin Rößler)

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