mJA: Triumph statt Tragödie

HSG Walzbachtal – TSV Rot-Malsch 17:26 (10:12)

Mussten wir in der letzten Partie noch über Schicksalsgöttin Fortuna klagen, also höhere Mächte bemühen, können wir heute viel direkter an die Sache gehen. Hat doch schon Aristoteles festgestellt, dass der Held einer Tragödie durch eigene Fehler ins Unglück stürzt. Keineswegs, so der griechische Universalgelehrte (384-322 v.Chr.), seien dafür weder die eigene „Schlechtigkeit“ (übertragen auf den Handball weniger der Charakterzug als vielmehr das fehlende Talent oder dessen mangelhafte Umsetzung im Spiel) noch willkürliche Göttereingriffe (wer in diesem Fall die deus ex machina sind, muss dem kundigen Publikum wohl nicht näher erläutert werden) verantwortlich. Philosophisches allgemeinverständlich auf den Punkt gebracht: Wirklich tragisch ist es nur, wenn man selbst daran die Schuld trägt.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Am Stoff einer original antiken Tragödie werkelt am Sonntag zu nachtschlafener Zeit (kurz nach High Noon) die A-Jugend des TSV. Die hat beim Achten der Oberliga Baden-Württemberg, der HSG Walzbachtal, schnell alle Trümpfe in der Hand, führt in fremder Halle rasch 5:1 (10.), lässt die Gastgeber durch eigene Unzulänglichkeiten auf 6:4 (14.) herankommen, erarbeitet sich erneut bis zum 10:5 (20.) einen deutlichen Vorsprung – nur um dann mit mehr als sieben Minuten ohne eigenen Treffer den Gegner zurück ins Spiel zu bringen. Selbst verschuldetes Leid!

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Walzbachtal kommt in dieser schwierigen Phase bis auf 10:9 (25.) heran und kriegt auch die Chance zum Ausgleich auf dem Silbertablett serviert. Einer der Momente, in denen Spiele kippen können und ihre eigene, ganz seltsame Dynamik entwickeln, weil die klar überlegene Mannschaft bis zu diesem Zeitpunkt zu viele Möglichkeiten nicht nutzt, nachlässig wird und irgendwann den Schalter nicht mehr umlegen kann.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Zum Glück bleiben wir im Konjunktiv, aber dieses keineswegs unrealistische Szenario wäre für den TSV an diesem Tag wahrhaft tragisch, weil komplett durch eigene Fehler und Nachlässigkeiten verschuldet gewesen, bietet er doch (wieder einmal) zwar eine famose Abwehrleistung, die den gegnerischen Angreifern nur wenig Luft zum Atmen lässt. Nur die Sache mit dem Tore schießen – die klappt erst noch ordentlich, dann überhaupt nicht mehr. Beste Gelegenheiten bleiben reihenweise ungenutzt – egal, ob nach schönen Spielzügen, bei schnellen Kontern, die eigentlich billige Tore sein sollten, oder auch mal per Weitwurf, wenn das zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers verwaiste Tor der HSG mehrfach knapp verfehlt wird.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Doch am Ende heißt es Triumph statt Tragödie: Der TSV berappelt sich, geht mit 12:10 (29.) in die Pause, muss den Gegner zu Beginn der zweiten Hälfte noch dreimal auf nur einen Treffer Differenz herankommen lassen, zuletzt beim 14:13 (36.), und zeigt dann seine Qualitäten endlich wieder auf beiden Seiten des Spielfeldes – ohne die gehäuften Fehler. Das lässt sich mit 19:13 (43.) prompt auch auf der Anzeigetafel nachlesen. Wer aus schlechter Erfahrung dem Braten jetzt noch nicht so recht traut, sieht sich heute eines Besseren belehrt: Da brennt nichts mehr an. Von 20:14 (44.) über 24:15 (54.) und 25:16 (57.) geht es zum klaren 26:17-Sieg. Das spiegelt die Kräfteverhältnisse korrekt wider, ist also auch für den Gegner keine Tragödie, sondern auch ohne Fanbrille Ausdruck der Rot-Malscher Überlegenheit.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Besonders wertvoll ist dieser Sieg mit Blick auf ein durch Verletzungen doch deutlich geschrumpftes Team, das durch zahlreiche Akteure aus der B-Jugend verstärkt wird, die sich für ihre Leistung ein extra Kompliment verdient haben. Und der Sieg macht sich endlich auch in der Tabelle bezahlt, in der der TSV auf Rang fünf vorrückt. Nicht nur mit viel Phantasie ist da in den letzten drei Partien noch einiges möglich: Zunächst einmal am Sonntag, 8. März, 16 Uhr, in der Parkringhalle in Rot gegen die punktgleiche HSG Willstätt/Hanauerland der Sprung auf Platz vier. Dafür braucht’s keine Ausflüge in die Philosophie, nur einen simplen Sieg.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Es spielten: Andre Paris, Josiah Rosarius (beide Tor), Henrik Schwarz (1), Jakob Herrmann, Luis Förderer, Tobias Rieg (1), Julius Gehring (11/5), Vito Gärtner (2), Dominik Dillmann, Leander Hofacker (1), Alfred Fellhauer, Finnegan Rößler (5/1), Bengt Tauer (5).

(Text & Fotos: Armin Rößler)

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