mJA: Fortuna mit den Falschen im Bunde

Saase3 Leutershausen – TSV Rot-Malsch 28:26 (15:10)

Für den römischen Dichter Ovid (43 v.Chr. – ca. 17 nach Chr.) ist Fortuna eine launische, oft grausame Göttin, die willkürlich über Glück und Unglück entscheidet. Hätte der gute Mann statt über die Liebe, Mythen und sein persönliches Schicksal über Sport geschrieben, wäre er sicher beim Handball gelandet. Wo sonst liegen Sieg und Niederlage so nah beieinander, entscheiden Zentimeter über Tore, geht es wild hin und her, mal mit dem Glück, mal mit dem Gegenteil im Bunde. Übertragen auf den starken Auftritt der A-Jugend des TSV Rot-Malsch bei Oberliga-Spitzenreiter Saase3 Leutershausen heißt das: Wäre Fortuna gewillt gewesen, ihre Gunst ein wenig mehr in die richtige Richtung zu leiten, hätte auch ohne überbordende Phantasie statt einer knappen Niederlage ein Auswärtssieg auf dem Ergebniszettel stehen dürfen.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Weil Fortuna heute aber für die Gastgeber lächelt, dürfen sich diese nach einer ebenfalls starken Vorstellung am Ende über zwei Punkte freuen. Die sind keineswegs unverdient, weil Leutershausen eine sehr gute Abwehrleistung mit vollem Einsatz bis an und manchmal auch über die Grenzen des Legalen abruft, die der TSV-Offensive alles abverlangt, und zum anderen bei den eigenen Angriffen nach einer ausgeglichenen Anfangsphase konsequent in den Risikomodus schaltet: Torwart raus, sieben gegen sechs, die Überzahl ist für Rot-Malsch schwer bis oft gar nicht zu verteidigen. Leider fehlt es aus Gästesicht an der passenden Antwort: Nur viermal wagt der TSV nach eigenem Ballgewinn oder Gegentreffer den Wurf aufs leere Tor – nur zweimal schlägt es dort auch tatsächlich ein. Zu wenig!

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Der TSV liefert ein sehenswertes Spiel, lässt defensiv lange kaum etwas zu, gerät erst in den permanenten Unterzahlsituationen ins Hintertreffen. Weil darauf, siehe oben, die richtige Antwort mit billigen (und durchaus öfter möglichen) Treffern fehlt, weil eine Handvoll Großchancen ungenutzt bleibt und weil heute die Siebenmeter nur mit einer Fünfzig-Prozent-Quote verwertet werden. Dazu gesellen sich unterm Strich zu wenig Torgefahr aus dem Rückraum und fast komplett brachliegende Außen, sodass sich die knappe Niederlage erklärbar liest – und dennoch nur an Nuancen hängt.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Wie gut die Abwehr funktioniert, zeigt sich am Spielstand: 3:5 heißt es in der zwölften Minute, 8:8 in der 22. Das ist bärenstark und bis dahin sehr ausgewogen. Dann zieht Saase auf 12:8 (26.) davon und führt kurz vor der Pause sogar 15:9 (29.). Die Halbzeit bringt zunächst keine Besserung: Das 18:12 (35.) scheint deutlich, doch plötzlich schickt Fortuna ihre Gunst in die richtige Richtung – beim 18:18 (43.) und 19:19 (45.) ist der TSV mehr als nur dran.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Danach zeigt die Glücksgöttin aber wieder ihre fiese Seite, die Gastgeber liegen bis zu drei Tore vorne (zuletzt beim 26:23/55.), der TSV kämpft sich noch einmal auf 26:25 (56.) heran, kassiert zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt eine Zwei-Minuten-Strafe, schafft den dennoch möglichen Ausgleich nicht – und verliert am Ende unglücklich knapp.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Damit reißt die Ungeschlagen-Serie von zuletzt 13:1 Punkten und der TSV bleibt mit 16:12 Zählern vorerst auf Rang sechs der Oberliga Baden-Württemberg. Vier Partien stehen noch aus, bis Platz zwei ist alles eng beisammen und vieles möglich. Nach der Faschingspause geht es am Sonntag, 1. März, 12.20 Uhr, in die Schulsporthalle Jöhlingen zur HSG Walzbachtal (aktuell Achter). Dann gerne mit Fortuna auf der richtigen Seite. Und Ovid? Der schrieb auch: „Geduld und Ausdauer; dieser Schmerz wird sich nach und nach zum Guten wenden.“ Vor zwei Wochen hieß das auf gut Alemannisch noch: „Nit luck lo.“ Wir bleiben also positiv.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Es spielten: Andrè Paris (Tor), Henrik Schwarz (1), Dominik Dillmann, Luis Förderer (1), Niklas Rittmüller, Julius Gehring (8/2), Aaron Bohn (1), Tobias Rieg (1), Leander Hofacker (7), Alfred Fellhauer (1), Jannis Benedict, Finnegan Rößler (1/1), Bengt Tauer (5).

(Text & Fotos: Armin Rößler)

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