mJA: Nit luck lo

HSG Dreiland – TSV Rot-Malsch 29:33 (16:14)

Ein „Chäpseli“, ein Käpselchen, so lernen wir im Eingangsbereich der Neuen Sporthalle in Lörrach-Brombach, ist ein schlauer Mensch. Und eine weitere der Postkarten mit Wörtern und Sprüchen im alemannischen Dialekt wird dann sogar zum Motto des Tages: „Nit luck lo.“ Das „nicht locker lassen“, „nicht aufgeben“, „weiterkämpfen“ geben die Trainer den Jungs der A-Jugend als Leitmotiv fürs Spiel beim Tabellenzweiten der Oberliga Baden-Württemberg mit. Klar: Nach der längsten Auswärtsfahrt der gesamten Saison, mit je nach Wohnort 230 und mehr Kilometern Anreise, soll der Heimweg nicht mit leeren Händen angetreten werden. Es sei gleich jetzt verraten: Das klappt dank einer großartigen Leistung, die ganz viel mit „nit luck lo“ zu tun hat.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Der TSV hat sich mit starken Vorstellungen offenkundig einen Namen bis an die Schweizer Grenze gemacht: „Sie spielen […] eine offensive 3-2-1-Deckung, was in der Liga sonst niemand macht. Im Angriff spielen sie auch öfters ohne Kreisläufer und dafür mit einem vierten Rückraumspieler“, ist im gut informierten „Infoblättle“ der Gastgeber über die taktische Marschrichtung zu lesen. Der ergänzend angefügte gute Vorsatz, sich darauf im Training „vorbereiten“ zu wollen und das dann im Spiel auch „umsetzen zu können“, bleibt über die gesamte Spielzeit gesehen zum Glück ein frommer Wunsch.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Dass die HSG Dreiland, ein Zusammenschluss der Vereine TV Brombach, ESV Weil am Rhein und TSV RW Lörrach, ein starkes Team hat, zeigt die nie lügende Tabelle mit Platz zwei. Bis zum 3:2 (3.) deutet sich das auch im Spiel an. Dann setzt der TSV ein erstes, sehr dickes Ausrufezeichen und es steht 3:6 (7.). Mit dem 8:8 (12.) und 9:8 (16.) sind die Gastgeber dann aber wieder am Drücker. Auffällig: Der TSV, in dieser Saison eher torarm unterwegs, erzielt in den ersten siebeneinhalb Minuten sieben Treffer (5:7) – klar überdurchschnittlich.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Dann haben die erfreulich zahlreichen Rot-Malscher Fans aber leider ein Déjà-vu. Beste Chancen bleiben ungenutzt, die Tore strömen nicht mehr, sie tröpfeln nur noch: Zwischen dem 6:8 (11.) und dem 10:9 (20.) vergehen mehr als neun erfolglose Minuten, zwischen dem 11:10 (22.) und dem 14:11 (27.) nochmals fünf weitere. Was die Offensive versemmelt, bleibt überraschenderweise auch die Defensive schuldig. Die letzte Konsequenz fehlt in vielen Momenten. Zunächst.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Denn die riesige Moral, die das Team bereits in den letzten Partien gezeigt hat, ist mit nach Lörrach gereist: erst doppelte Unterzahl, dann 14:10- und 16:12-Rückstand – kein Problem. Binnen 15 Sekunden wird daraus kurz vor der Halbzeit ein 16:14, das sich schon nicht mehr ganz so schlecht liest. Und danach geht es erst richtig los: Ausgleich zum 16:16 (33.), die erste Führung nach langer, langer Zeit mit dem 17:18 (35.) und plötzlich ein Fünf-Tore-Vorsprung – 18:23 (43.).

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Zwar lehrt die Erfahrung, dass das noch nicht die Entscheidung gewesen sein muss. Andererseits spricht ganz viel dafür, dass der TSV sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen lässt. Den Gastgebern schwinden sichtlich die Kräfte, ihnen scheinen die Körner für einen finalen Kraftakt zu fehlen. Und Rot-Malsch kann heute gut von der Bank nachlegen, hat auch für den einen oder anderen platten Akteur Ersatz parat.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Das ist nicht restlos stabil – von 19:24 (44.) kommt die HSG Dreiland noch mal auf 22:24 (48.) und 23:25 (49.) heran –, aber letztlich doch sehr, sehr souverän. Spätestens beim 25:30 (55.) beginnen auch die letzten Zweifler vom Auswärtssieg zu träumen. Und mit dem 26:32 (58.) ist der Deckel drauf, alles Weitere ist nur noch Ergebniskosmetik. Die Pizza haben sich die Jungs vor der langen Heimfahrt mehr als verdient.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Mit 16:10 Punkten bleibt der TSV zwar Sechster, ist jetzt aber bis auf ein Pünktchen an den Zweiten herangerückt – alles bleibt möglich. Jetzt gilt es, die gute Form bis zur nächsten Partie in zwei Wochen, am Sonntag, 8. Februar, 18 Uhr, beim souveränen Tabellenführer, Saase3 Leutershausen, zu konservieren (Heinrich-Beck-Halle, Hirschberg-Leutershausen). Nach dem verschenkten Zähler beim Hinspiel-Unentschieden sollte das Team darauf brennen, die Serie von zuletzt 13:1 Punkten fortzusetzen. Dafür stehen die Chancen gar nicht schlecht, wenn das „nit luck lo“ im Gedächtnis bleibt. Für heute ist aber erst mal verdientermaßen „Firoobe“.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Es spielten: Andrè Paris (Tor), Henrik Schwarz (1), Dominik Dillmann (1), Luis Förderer (3), Tobias Rieg (1), Julius Gehring (11/2), Vito Gärtner (5/1), Aaron Bohn (1), Jonas Fischer, Leander Hofacker (4), Leart Xhylani, Finnegan Rößler (5), Bengt Tauer (1).

(Text & Fotos: Armin Rößler)

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