mJA: Ausrufezeichen mit Anlaufschwierigkeiten

TSV Rot-Malsch – SG Kappelwindeck/Steinbach 26:22 (10:11)

Was es braucht, um in der Oberliga Baden-Württemberg mit einem dicken Ausrufezeichen Eindruck zu hinterlassen, ist am Samstagabend in der Roter Parkringhalle zu bewundern. Einen herausragenden Torwart, der Parade an Parade reiht, eine kompromisslos arbeitende Defensive, die den Gegner verzweifeln lässt, und eine erstaunliche Moral, die ganz offensichtlich durch nichts zu erschüttern ist. Wurfpech oder auch mal Unvermögen im Abschluss mit einer zwischenzeitlichen Durststrecke von mehr als elf Minuten ohne eigenes Tor, mehrfache Rückstände, Formkrisen einzelner Akteure, ein lange enges Duell auf Messers Schneide, und das gegen einen körperlich (zumindest optisch) überlegen wirkenden Gegner – das Team steckt alles cool weg, glaubt immer an seine Stärken und belohnt sich am Ende mit einem überraschend deutlichen Sieg.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Dass der Gast, die SG Kappelwindeck/Steinbach, keine Laufkundschaft ist, beweist ein Blick auf die Tabelle: Rot-Malsch ist Sechster und empfängt den Zweiten. Im Hinspiel gab es im November eine bittere 26:22-Niederlage, bei der einige wenige schwache Minuten eine ordentliche Leistung zunichte gemacht hatten. Dass das Ergebnis dieses Mal genau andersrum ausfallen wird, zeichnet sich eher zögerlich ab: Der TSV startet bärenstark, führt schnell 2:0 (2.), nimmt sich dann aber eine ausgedehnte Schaffenspause, die in einem klaren 2:5-Rückstand (12.) gipfelt.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Das Team berappelt sich, verkürzt auf 3:5 (14.), verteidigt grandios, trifft weiter und dreht den Spieß um: Plötzlich heißt es 6:5 (18.). Eine Schwalbe macht aber leider noch keinen Sommer, schon liegt man beim 6:7 (20.) wieder hinten, gleich nochmals aus (21.) und muss die Gäste dann erneut ergebnistechnisch davonziehen lassen, vor allem weil beste Chancen reihenweise versiebt werden – das 7:10 (24.) liest sich ziemlich fies auf der Anzeigetafel. Gefühlt könnte es auch umgekehrt stehen.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Der TSV wäre nicht der TSV, hätte er nicht direkt die nächste Pointe im Köcher: Der Ball landet dreimal hintereinander im richtigen Tor, 10:10 (28.). Ein verballerter Siebenmeter, doch wieder ein Gegentreffer, das 10:11-Halbzeitresultat ist erneut ein Stimmungskiller. Die Achterbahn ist heute mal wieder auf einem ganz extremen Schlingerkurs unterwegs.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Zu Beginn der zweiten Hälfte werden die Ausschläge dieser Fieberkurve zunächst flacher, kein Team schafft mehr als ein einziges Törchen Vorsprung. Der TSV führt erstmals wieder beim 14:13 (39.), Fluch und Segen zugleich. Denn erst bewegt sich zum x-ten Mal alles in die entgegengesetzte Richtung, das 14:16 (43.) ist der erste Zwei-Tore-Rückstand seit fast zwanzig Minuten.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Aber zur Moral wurde ja schon alles gesagt, und genau jetzt kippt die Partie final. 15:16 (45.), 16:16 (45.), 17:16 (46.), 18:16 (47.), 19:16 (49.), 20:16 (51.). Rot-Malsch trifft, der Gast taumelt, scheint nicht mehr die Körner zu haben, in der Schlussviertelstunde dagegenzuhalten. Der Sieg gerät nicht mehr ernsthaft in Gefahr.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Ein immens wichtiger Sieg, der einerseits Platz sechs mit nun fünf Punkten Vorsprung auf den Siebten Forst sichert. Und der vor den kommenden Partien viel Raum für Phantasie nach oben lässt, haben doch die beiden vor dem TSV platzierten Teams ebenfalls je 14 Zähler. Allerdings stehen jetzt drei Auswärtsspiele hintereinander an, und in fremder Halle haben die Rot-Malscher Heimschläfer bislang noch nicht wirklich brilliert (3:7 Punkte stehen einer Heimbilanz von 11:3 Zählern gegenüber). Wir sehen’s trotzdem positiv, schließlich gab es die letzte Niederlage am 9. November am Fuße des Schwarzwalds, eben bei der jetzt bezwungenen SG Kappelwindeck/Steinbach, seither wurden fünf Siege und ein Unentschieden eingefahren. Also sollte niemand vor der längsten Auswärtsfahrt der Saison bange sein: am Samstag, 24. Januar, geht es an die Schweizer Grenze nach Lörrach zur HSG Dreiland, aktuell Tabellendritter. Anwurf in der Sporthalle in Lörrach-Brombach ist um 14 Uhr.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Das Team: Andrè Paris (Tor), Henrik Schwarz, Luis Förderer (3), Niklas Rittmüller, Julius Gehring (5/1), Vito Gärtner (3), Aaron Bohn (3/1), Jonas Fischer (2), Leander Hofacker (4), Alfred Fellhauer (3), Finnegan Rößler (3), Dominik Dillmann, Dennis Tuncay.

(Text & Fotos: Armin Rößler)

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