mJA: Ein Punkt der Moral

HGW Hofweier – TSV Rot-Malsch 34:34 (16:13)

Die Abgesänge waren im Geiste schon geschrieben. „Nicht nichts, sondern gar nichts“ hätte die ebenso pointierte wie fiese Überschrift lauten können (geboren aus tiefer Enttäuschung, nicht aus Boshaftigkeit). Und dann brechen die letzten drei Minuten und fünfundvierzig Sekunden des Spiels an, das beim Stand von 34:30 für den gastgebenden HGW Hofweier aus Sicht der meisten Betrachter längst entschieden ist und doch noch einmal vier Tore, drei rote Karten, einige vergebene Großchancen, einen verwandelten und einen verworfenen Siebenmeter sowie insgesamt eine irre Wendung bereithält.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Denn jetzt, in dieser absoluten Schlussphase, zeigt die A-Jugend des TSV Rot-Malsch plötzlich eine tolle Moral und kommt zunächst mit drei Treffern binnen zweiundsechzig Sekunden völlig unverhofft wieder auf 34:33 (58.) heran, übersteht stürmische Angriffe des Gegners, profitiert aber auch von dessen Fehlern, versiebt erst selbst die auf dem Silbertablett servierte Ausgleichsmöglichkeit und nutzt die wohl letzte Chance dann doch – zehn Sekunden vor der Schlusssirene zum 34:34 (60.). Noch nicht das Ende: ein unschönes Gerangel, Rot hüben wie drüben, Siebenmeter für die Hausherren. Zwei Sekunden vor dem Ende. Der Ball landet – am Pfosten, das nicht mehr für möglich gehaltene Unentschieden ist perfekt.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Das Spiel des TSV, als Sechster der Oberliga Baden-Württemberg nach Niederschopfheim in den Ortenaukreis gereist, beim Tabellenletzten, dem Handballverein Grün-Weiß Hofweier, ist von Beginn nicht sonderlich schön anzuschauen. Der TSV, geplagt von Verletzungssorgen und Formkrisen, gönnt sich zu viele Fehler, die den Gegner, der keineswegs die Sterne vom Himmel spielt, stark machen. Trotzdem führt der TSV anfangs, liegt 6:3 (10.) und 8:6 (15.) in Front. Dann schwingt das Pendel aber auf die andere Seite, Hofweier gleich zum 10:10 (20.) aus, geht mit dem 13:12 (25.) erstmals seit dem 1:0 (2.) wieder in Führung. Und beim TSV läuft nur noch wenig zusammen.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

16:13 heißt es zur Pause, der HGW verteidigt diesen Vorsprung, mal mit zwei, drei oder gar vier Toren, lange und schnuppert schon intensiv am ersten Saisonsieg. Mit einem Zwischenspurt zum 25:25 (50.) schafft der TSV dann zwar noch einmal den Ausgleich, scheint direkt danach aber wieder einzuknicken und muss den neuerlichen Rückstand wieder bis auf vier Treffer Differenz anwachsen lassen. Bis sich in der verrückten Schlussphase das Schicksal doch noch einmal dreht und ein letztlich glückliches Pünktchen beschert.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Nach jedem Tief kommt ein Hoch, das wissen nicht nur Meteorologen. Also besteht der übersichtlichen Leistung zum Trotz Hoffnung, dass einige der Jungs ihr gerade verschüttetes Potenzial bald wieder abrufen können, die Mannschaft sich über den einen oder anderen Rückkehrer freuen darf und dann auch wieder geschlossener agiert, ruhiger vor dem gegnerischen Tor und konsequenter in der Abwehrarbeit vor dem eigenen. Vielleicht schon im kommenden Heimspiel gegen die HG Oftersheim/Schwetzingen 2: zur Primetime am Samstag, 29. November, 20 Uhr, in der Malscher Reblandhalle vor hoffentlich vielen Zuschauern.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Es spielten: Oliver Oerther, Per Tauer (beide Tor), Dennis Tuncay (2), Niklas Rittmüller, Julius Gehring (9/3), Aaron Bohn (9/1), Jonas Fischer (1), Leander Hofacker (6), Alfred Fellhauer (1), Finnegan Rößler (1), Bengt Tauer (5).

(Text & Fotos: Armin Rößler)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert