mJA: Wenn die Schlusssirene Schicksal spielt

TSV Rot-Malsch – Saase3 Leutershausen 26:26 (12:10)

Warum das letzte Tor am Ende nicht zählt? Weil, so die offizielle Begründung der Schiedsrichter auf Nachfrage, der Ball noch nicht über der Linie gewesen sei, als nach intensiven, heiß umkämpften sechzig Minuten die Schlusssirene ertönt. Sondern eben erst Sekundenbruchteile danach, auch wenn das rein subjektiv für den Großteil der Zuschauer in der Parkringhalle ganz anders aussieht. Also doch kein erlösender Siegtreffer auf den letzten Drücker. Stattdessen ein Unentschieden, das sich wie eine Niederlage anfühlt. Und das gegen den Tabellenführer. Welch Dramatik. Was für ein bitteres Finale. Und das nach einer klasse Leistung, die am dritten Spieltag der Oberliga Baden-Württemberg beweist: Die Mannschaft ist reif für diese Spielklasse und kann eine ordentliche Rolle spielen.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Der TSV dominiert die Partie gegen Saase3 Leutershausen vom Anpfiff weg, versäumt es aber, sich eine wirklich klare Führung zu sichern. Dreimal kassiert man den Ausgleich – zum 7:7 (15.), zum 8:8 (16.) und zum 14:14 (36.) –, sonst hat Rot-Malsch über die (fast) gesamte Spielzeit die Nase vorn. Fast, weil der letzte und entscheidende Ausgleich nach 58:44 Minuten fällt, das anschließende Drängen in Unterzahl auf den Siegtreffer erst nach 60:01 Minuten, und damit leider einen Tick zu spät, nur vermeintlich belohnt wird.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Die Defensive liefert samt den immer wieder toll parierenden Torhütern eine bärenstarke Leistung ab, kämpft und arbeitet unnachgiebig, zwingt den Gast reihenweise zu Fehlern. Vor dem gegnerischen Tor fehlt allerdings leider die hundertprozentige Konzentration: Ein halbes Dutzend bester Chancen bleibt allein in der ersten Hälfte ungenutzt – letztlich wird der Sieg in dieser Phase verschenkt, in der sich der TSV für seine klare Überlegenheit nicht belohnt. Skurril: Zwischen dem 8:8 (16.) durch die Gäste und dem 9:8 für den TSV (22.) vergehen mehr als sechs torlose Minuten mit Fehlversuchen hüben wie drüben. Ein Spielabschnitt, in dem man als hilfloser Zuschauer ebenso verzweifeln möchte wie in der Schlussphase.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

So bleibt es bei eher knappen Führungen mit lange nie mehr als drei Toren – 12:9 (28.), 14:11 (33.) und 20:17 (43.). Das 22:18 (46.) und das 23:19 (50.) sind keineswegs vorentscheidend, sondern erweisen sich leider als trügerisch. Die Gäste, in den ersten beiden Spielen mit weißer Weste und als Tabellenführer angereist, geben nicht auf, leisten bis zum Ende Widerstand, kämpfen sich wieder dreimal wieder bis nur noch auf ein Törchen heran, scheinen mit dem 26:24 (56.) erneut weg vom Fenster und schaffen dann doch noch den Ausgleich. Das verdient auch durch die TSV-Fanbrille Respekt, hätte sich aber mit mehr Konsequenz in der ersten Halbzeit vermeiden lassen. Und am Ende fehlt dem Team dann vielleicht nach aufopferungsvollem Kampf die Power.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch
Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Mit ein bisschen Abstand darf das Team statt berechtigter Enttäuschung über das Ergebnis gerne ebenso berechtigten Stolz auf die eigene Leistung empfinden. 3:3 Punkte nach drei Spielen sind ein ordentlicher Start in die neue Spielklasse, das Team ruft seine Qualitäten ab und hat gleichzeitig – siehe dieses Mal die Torausbeute – immer noch Luft nach oben, um sich weiter zu steigern. Gerne schon bei der nächsten Auswärtsfahrt nach Südbaden, die am Freitag, 10. Oktober, 20 Uhr, zur HSG Willstätt/Hanauerland führt. Beim ersten und letzten Aufeinandertreffen der beiden Teams in der Regionalliga-Quali behielt das Team aus dem Ortenaukreis mit 18:17 hauchzart die Oberhand. Und nach zwei Spielen und zwei Siegen steht man auf Platz zwei der Oberliga, kann sich am Sonntag in Forst die Tabellenführung holen. Dann wäre es für den TSV das nächste sicher packende Duell mit dem Spitzenreiter. Wir freuen uns darauf.

Armin Rößler | TSV Rot-Malsch

Das Team:
Andre Paris, Per Tauer (beide Tor), Henrik Schwarz (4), Dennis Tuncay, Luis Förderer (6), Niklas Rittmüller, Julius Gehring (8/1), Aaron Bohn (1), Jonas Fischer (1), Leander Hofacker, Alfred Fellhauer (1), Finnegan Rößler (5/2), Thomas Valentin.

(Text & Fotos: Armin Rößler)

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